Altstädter Kirche

 

Die Kirche St. Petri - wegen ihrer Lage im ehemals eigenständigen und 1890 in die Stadt Frankenhausen eingemeindeten Dorf Altstadt auch als Altstädter Kirche bezeichnet - ist das älteste Gotteshaus der Stadt Bad Frankenhausen.
 
Ursprünglich bestand die Kirche vermutlich aus der halbrunden Apsis, dem Chorquadrat, einem einschiffigen Langhaus und einem Turmhaus und ist somit wahrscheinlich der Überrest einer größeren Kirche.
Die unverputzte, halbrunde Apsis aus rotem Sandstein stammt aus dem 10. Jahrhundert. Von den zwei unregelmäßig angeordneten Fensteröffnungen wurde die südliche im 13. Jahrhundert verschlossen. Der sich anschließende Chor wurde wahrscheinlich erst im 11. oder 12. Jahrhundert anstelle seines Vorgängers errichtet. Das südliche Gesimsteil mit hervorragend erhaltener Petrusfigur (wahrscheinlich Petrus mit dem Himmelsschlüssel) könnte vom vormaligen Chor stammen.

Der heute noch erkennbare größere Umbau unter barocken Einflüssen erfolgte wahrscheinlich nach dem Dreißigjährigen Krieg. Hierbei wurde u. a. der Chor mit einer Fachwerkwand um einen Meter nach Westen verlängert. Das auf diese Weise entstandene Chorrechteck erhielt dabei ein Mansarddach, das ein Tonnengewölbe über dem Gemeinderaum ermöglichte. In dieser Zeit wurde vermutlich auch das Langhaus abgerissen, von dem noch Überreste an der Nord- und Südfassade als “Stützpfeiler” erkennbar sind.
 

Altstädter Kirche (St. Petri-Kirche) Bad Frankenhausen
Altstädter Kirche (St. Petri-Kirche)
Bad Frankenhausen
Petrus mit dem Himmelsschlüssel
Petrus mit dem Himmelsschlüssel


Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befand sich die Kirche in einem sehr desolaten Zustand, der eine umfassende Restauration erforderlich machte. Dabei wurde das Apsisgemälde aus dem 13. Jahrhundert erneuert, Mauer- und Zimmerarbeiten durchgeführt, der Putz erneuert, neues Gestühl und eine - später wieder entfernte - Kanzel eingebaut und ein (heute verschollenes) buntes Glasfenster aus der Kunstglaserei Müller / Quedlinburg eingesetzt. Die Wiedereröffnung der Altstädter Kirche nach dieser Restauration erfolgte am 20.04.1890.

Ein weiterer Umbau erfolgte zwischen 1933 und 1938. Dabei wurden u. a. die Apsis mit einem Ölanstrich versehen, an den Wänden ein Meter hohe Paneele angebracht, die barocke Tonne über dem Gemeinderaum durch eine Flachdecke ersetzt, eine Gasheizung und neues Gestühl eingebaut und westlich ein stilistisch störender Anbau geschaffen, der den Aufgang zur Empore aus dem Gemeinderaum herausnahm und noch heute der Eingang in die Altstädter Kirche ist.
Die Einweihung nach diesem Umbau erfolgte 1938.

1954 nahm sich eine kleine Gruppe der inzwischen wieder völlig vernachlässigten Kirche an. Kurz darauf wurde die Altstädter Kirche bevorzugt bei Eheschließungen und Kindstaufen, aber auch für Sonntagsgottesdienste - für die es in den Wintermonaten in der Unterkirche zu kalt war - genutzt.

Bis zur nachweislich dritten Einweihungsfeier der Kirche am 10. September 1960 wurden z. B. Dachdeckerarbeiten durchgeführt, das Fachwerk repariert, eine elektrische Beleuchtungsanlage eingebaut, die Gasheizung an die städtische Gasleitung angeschlossen und die Scheiben der Seitenfenster erneuert.
Nach 1966 wurde durch die Steinmetzfirma Bringezu ein (allerdings kaum sehenswerter) Altar gesetzt.

In den Folgejahren geriet die Altstädter Kirche wieder in Vergessenheit und diente zwischenzeitlich sogar als Baustofflager.
Ab 1993 wurden durch die Denkmalpflege stufenweise Mittel bewilligt, die eine Erhaltung dieser liebenswerten Kirche für die nächsten Jahre ermöglichen. Nach dem Verputzen und Streichen der Seitenwände des Chores und anderen dringend notwendigen Arbeiten konnte die vierte feierliche Wiedereinweihung der St. Petri-Kirche am 15 .Mai 2002 stattfinden.

Bei einem Besuch der Altstädter Kirche fällt vor allem die Wandmalerei in der Halbkuppel der Apsis auf.
Das Gemälde zeigt in der Bildmitte Christus mit den Wundmalen auf einem Regenbogen, sitzend in der mandelförmigen Glorie dargestellt. Die rechte Hand ist segnend erhoben. Sein Mantel ist am Mittelkörper weit auseinander geschlagen, damit die Brustwunde sichtbar ist. Links im Bild ist die Einführung der Seligen ins Paradies dargestellt. Am linken Bildrand ist die Paradiespforte angedeutet. Davor steht Petrus mit dem Himmelsschlüssel, den ruhig Entgegenkommenden (u. a. ein König, ein Bischof, ein Mönch und andere) zugewandt.
Rechts der Glorie befindet sich eine Gruppe von Verdammten. Zu dieser Gruppe gehören u. a. ein Kaiser und viele Frauen, zumeist mit klagend erhobenen Händen. Diese Gruppe ist durch eine starke Kette miteinander verbunden.
 

Darstellung des "Jüngsten Gerichtes", Wandmalerei an der Apsiskuppel der Altstädter Kirche
Darstellung des “Jüngsten Gerichtes”
Wandmalerei (um 1890) an der Apsiskuppel der Altstädter Kirche Bad Frankenhausen


Die wichtigste Fassung dieser Wandmalerei stammt aus der Zeit um 1300 und zeigte in einfachsten Farben (besonders braun, rot, grün und grau) eine Darstellung des jüngsten Gerichtes. Diese Fassung von 1300 zeigte an mehreren Stellen Spuren, die auf ein Übermalen einer noch älteren Fassung hinweisen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die mittelalterliche Fassung des Bildes durch den Kunstmaler Wernicke übermalt, der sich weitgehend an der ursprünglichen Darstellung  orientierte. Dabei bereicherte er das Bild um die ursprünglich nicht vorhandene “Höllenszene” am rechten Bildrand.
Zwischen 1933 und 38 wurde eine Firnisschicht aufgetragen und der Apsissockel mit einem rotbraunen Ölanstrich versehen. Besonders der vertrocknende Firnis drohte den Bildauftrag zu lösen und musste - wie auch der Ölanstrich - 1993 entfernt werden, um das Gemälde weiterhin zu erhalten.

Die Glocken der Altstädter Kirche hingen ursprünglich in einem Glockenstuhl außerhalb der Kirche. Erst als dieser Glockenstuhl baufällig war, wurde 1783 eine Glockenstube mit Aufhängungen für drei Glocken in den Dachstuhl der Altstädter Kirche eingebaut. Zwei dieser Glocken stammten vermutlich aus dem 14 Jahrhundert. Die dritte Glocke wurde 1454 gegossen und trug die Inschrift “Maria bin ich genannt”. Die große Glocke wurde 1832 von Emil Meyer in Artern umgegossen, während die beiden Kleineren am 26.03.1884 von den Gebr. Ullrich in Apolda umgegossen wurden, da sie geborsten waren.
Die drei Glocken ergaben einen harmonischen Dreiklang (f-a-c). Sie fielen jedoch dem ersten Weltkrieg zum Opfer.
Die heute vorhandene Glocke wurde am 08.06.1955 aufgezogen. Sie stammt aus dem ehemaligen Geläut der Bendelebener Kirche, das einem neuen Geläut weichen sollte.

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